Mehrow und Umgebung im Niederbarnimer Kreisblatt (Ausgabe Bernau) von 1910 (57. Jahrgang),
gefunden im Landesarchiv Berlin (Reinickendorf)



Sonnabend, den 1. Januar 1910 (Nr. 1), Amtlicher Teil

Personal-Chronik.
Bestätigt: der Arbeiter Paul Ruff als Hundefangbeamter für den Amtsbezik Weißensee.


Sonnabend, den 1. Januar 1910 (Nr. 1), Amtliche Beilage, gekürzt

Bekanntmachung.
Nachweisung derjenigen Personen, welche ... zu Schiedsmännern behufs Abschätzung des Wertes der auf polizeiliche Anordnung zu tötenden Tiere zugezogen werden können:

Amtsbezirk Ahrensfelde.:
1. Gutsverwalter Eilers zu Hellersdorf,
2. Gutsbesitzer Haase zu Ahrensfelde,
3. Gutsbesitzer Lindemann zu Eiche,
4. Bauerngutsbesitzer August Müller in Ahrensfelde



Sonntag, den 16. Januar 1910 (Nr. 7), Amtlicher Teil, gekürzt

Personal-Chronik.
Bestätigt: ..., der Landwirt Albert Buchholz zu Ahrensfelde zum Amtsvorsteher für den Amtsbezirk Ahrensfelde, der Gemeindevorsteher Wegener zu Ahrensfelde zum Amtsvorsteher-Stellvertreter für den Amtsbezirk Ahrensfelde, ...


Sonntag, den 23. Januar 1910 (Nr. 10), Amtliche Beilage, gekürzt

Bekanntmachung.
Verzeichnis derjenigen landwirtschaftlichen Unternehmer, sowie deren gesetzlichen Vertreter oder bevollmächtigte Betriebsleiter, die für die Wahlperiode vom 1. Januar 1910 bis Ende 1914 als
Vertrauensmänner bezw. Stellvertreter der Brandenburgischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft durch Beschluß vom 15. Dezember 1909 gewählt sind:

Stadt, Gemeinde oder Gut: Name Stand und Wohnort des Vertrauensmannes:
Ahrensfelde Gem. Lehmann, Julius; Bauerngutsbes.; Ahrensfelde
Eiche Gem., Hellersdorf Gut  Klus, August; Gemeindevorsteher und Bauerngutsbesitzer; Eiche
Mehrow Gem., Mehrow Gut  Meißner, Ernst; Gemeindevorsteher und Kossätengutsbesitzer; Mehrow

Stadt, Gemeinde oder Gut: Name Stand und Wohnort des Stellvertreters:
Ahrensfelde Gem. Wolff, Otto; Bauerngutsbesitzer; Ahrensfelde
Eiche Gem., Hellersdorf Gut Schulze, Wilhelm; Kossätengutbesitzer; Eiche
Mehrow Gem., Mehrow Gut Thürling, Adolf; Bauerngutsbesitzer; Mehrow


Mittwoch, den 9. Februar 1910 (Nr. 17, Beilage), Kreis-Nachrichten

Blumberg. Der pensionierte Lehrer Herr Tenzer und Gemahlin feierten dieser Tage das seltene Fest der goldenen Hochzeit in geistiger und körperlicher Frische im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Angehörigen.


Mittwoch, den 16. Februar 1910 (Nr. 20), Amtlicher Teil, gekürzt

Bekanntmachung.
Im Monat Januar 1910 sind nachstehende Jagdscheine von mir [Landrat] erteilt worden:
...
Nr. 1145 ab 5.1.; Graf von Arnim; Rittergutsbesitzer; Blumberg


Sonntag, den 6. März 1910 (Nr. 28), Amtlicher Teil

Bekanntmachung.
Ein junger braun und blau gefleckter Jagdhund hat sich in Ahrensfelde angefunden.
Meldungen im Amtsbureau.
Ahrensfelde, den 2. März 1910.
Der Amtsvorsteher.


Freitag, den 15. April 1910 (Nr. 45, Beilage), Kreis-Nachrichten

Alt-Landsberg. In der vorigen Woche hat der Verwalter Timpf auf dem Acker des Gutsbesitzers W. Kanow in Paulshof 6 bis 8 alte Feuerstellen aus früherer Zeit gefunden, die in einem länglichen Rechteck aus Feldsteinen zusammengelegt waren; auch wurden Reste von Tongefäßen vorgefunden. Leider ist durch Unachtsamkeit der Leute vieles zerstoßen und zerschlagen worden.


Sonntag, den 17. April 1910 (Nr. 46), Amtlicher Teil, gekürzt

Personal-Chronik.
...; Der Amtsvorsteher Albert Buchholz zu Ahrensfelde ist als Schiedsmann für den Schiedsmannbezirk 33 des Kreises Niederbarnim auf eine dreijährige vom 30. März ab laufende Amtsperiode verpflichtet worden.


Sonntag, den 1. Mai 1910 (Nr. 52), Amtliche Beilage, gekürzt

Bekanntmachung.
Die Kreispolizei-Verordnung zur obligatorischen allgemeinen Leichenschau im Kreise Niederbarnim
vom 9. Februar 1910 nebst Anlagen.

Polizei-Verordnung.
Auf Grund des § 5 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850 und des § 142 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird ... folgende Polizeiverordnung erlassen.

   §1. Nach jedem Todesfalle und vor der Beerdigung muß eine Leichenschau stattfinden. Der Zweck derselben ist die unzweifelhafte Feststellung des wirklichen Todes und die möglichst zuverlässige Ermittlung der Todesursachen, sowie die Beantwortung der sonst zu stellenden Fragen zum Vorteil der öffentlichen Gesundheitspflege. Außerdem soll die Leichenschau zur Entdeckung von gewaltsamen und rechtswidrigen Todesarten mitwirken. Keine Beerdigung darf ohne vorherige Ausfüllung eines dem beiligenden Formular entsprechenden Leichenscheins stattfinden.
   §2. Jede Gemeinde und jeder Gutsbezirk hat wenigstens einen Leichenbeschauer zu stellen. ...
Zu Leichenbeschauern sind tunlichst Aerzte zu bestellen.
Die in Ermangelung von Aerzten notwendige Bestellung anderer Personen zu Leichenbeschauern bedarf in jedem einzelnen Falle der Genehmigung des Landrates. ...
   ...
Berlin, den 9. März 1910.
Königlicher Landrat des Kreises Niederbarnim. Graf von Roedern.


Freitag, den 13. Mai 1910 (Nr. 56), Amtlicher Teil, gekürzt

Personal-Chronik.
Bestätigt: ..., der Gastwirt Otto Bolle zu Mehrow zum Schöffen-Stellvertreter in Mehrow;
der Büdner Gustav Wegener zu Mehrow zum Schöffen der Gemeinde Mehrow.


Freitag, den 13. Mai 1910 (Nr. 56, Beilage), Kreis-Nachrichten

Lindenberg. (O.-B.) Vom Oberführer der Freiwilligen Feuerwehr in Weißensee, Herrn Rathmann, wurde hierselbst eine gleiche Wehr ins Leben gerufen. Es traten derselben sofort 12 Mitglieder bei.


Mittwoch, den 8. Juni 1910 (Nr. 67, Beilage), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Blumberg. Am gestrigen Montag ist hier ein überaus frecher Einbruch verübt worden. Abends gegen 7 Uhr fiel es einem den Friedhof besuchenden Mädchen auf, daß die Tür des an der Kirche befindlichen gräflich Arnim'schen Leichengewölbes offen stand. Bei näherer Besichtigung entdeckte man, daß das selbe gewaltsam erbrochen worden war. Die Einbrecher haben mehrere Särge, darunter auch die beiden zuletzt beigesetzten, geöffnet, um sich jedenfalls der evtl. Wertsachen zu bemächtigen. Es scheint ihnen jedoch nichts in die Hände gefallen zu sein. Um in das Grabgewölbe zu gelangen, sind die Einbrecher durch das Fenster in die Kirche eingestiegen, wo sie die Bänke und Stühle umkehrten und von wo aus sie gewaltsam in das gräfl. Grabgewölbe zu gelangen versuchten. Die Tür hierzu ist jedoch vermauert und sind die Raubgesellen auf die oben angegebene Weise vom Friedhofe aus eingedrungen. In der Kirche sind ihnen die dort aufbewahrten Orden ec. der verstorbenen Kriegsteilnehmer in die Hände gefallen. Der Verdacht der Täterschaft richtete sich sofort gegen zwei Männer, die am Nachmittage sich in der Gegend der Kirche aufgehalten hatten. Nach den eingezogenen Erkundigungen sind dieselben hier gegen Abend mit einem Schlächterwagen in der Richtung nach Berlin abgefahren. Bei Ahrensfelde gelang es, die beiden Verdächtigen anzuhalten. Bei der Durchsuchung der Männer fand man, in ein Taschentuch eingewickelt, die geraubten Orden ec. vor. Die beiden Einbrecher, ca. 40 resp. 35 Jahre alt, von denen der eine aus Britz, der andere aus Rixdorf stammt, wurden verhaftet. Der jüngere von Beiden ist vor kurzem erst aus dem Zuchthause entlassen worden. Hier hatte er einen Schweizer, der früher in Blumberg beschäftigt war und der augenblicklich eine Strafe verbüßt, kennen gelernt. Der selbe hat ihn auf die evtl. Beute im gräflichen Grabgewölbe aufmerksam gemacht. Seinen Helfershelfer hat er in einer Berliner Kaschemme kennen gelernt und verabredet, mit ihm gemeinsam den Diebstahl auszuführen.

Hönow. Ein polnischer Arbeiter ist am Sonntag beim Baden ertrunken. Seine Leiche wurde nachmittags von Herrn Bernhard Döberitz entdeckt und herausgezogen.


Mittwoch, den 14. Juni 1910 (Nr. 70), Amtlicher Teil, gekürzt

Bekanntmachung.
Im Monat Mai 1910 sind nachstehende Jagdscheine von mir [Landrat] erteilt worden: ...

Nr. 19; 12.5.; Müller, Karl; Revierförster; Blumberg; unentgeltlich


Sonntag, den 3. Juli 1910 (Nr. 78), Amtlicher Teil, gekürzt

Personal-Chronik.
Bestätigt: ..., Der Rentier Albert Hübner zu Ahrensfelde zum Schöffen-Stellvertreter der Gemeinde Ahrensfelde, ...


Freitag, den 15. Juli 1910 (Nr. 83, Beilage), Kreis-Nachrichten

Blumberg. Unser Ort wird von der Berliner Gasanstalt mit Gas versehen. Die Erdarbeiten sind schon bis an unsern Ort vollendet und es dürfte schon in kurzer Zeit Gas zu Verwendung gelangen.


Sonntag, den 24. Juli 1910 (Nr. 87), Amtlicher Teil, gekürzt

Personal-Chronik.
Bestätigt: ..., Der Schuhmacher Julius Zachow als Nachtwächter der Gemeinde Eiche.


Freitag, den 29. Juli 1910 (Nr. 89), Amtlicher Teil, gekürzt

Personal-Chronik.
Bestätigt: ..., Der Bauer August Lehmann zu Lindenberg ist als Schiedsmann,
der Halbbauer Albert Salzmann zu Lindenberg als Schiedsmannstellvertreter für den Schiedsmannbezirk 56 des Kreises Niederbarnim auf eine dreijährige, vom 21. August 1910 ab laufende Amtsperiode verpflichtet worden.
...

Sonntag, den 31. Juli 1910 (Nr. 90), Amtlicher Teil, gekürzt

Personal-Chronik.
Bestätigt: der frühere Rieselwärter Wilhelm Duhm als Nachtwächter, Gemeindediener und Vollziehungsbeamter der Gemeinde Marzahn;
...

Sonntag, den 31. Juli 1910 (Nr. 90, Beilage), Kreis-Nachrichten

Blumberg. Im Anschluß an die Gasversorgung der Gemeinde Ahrensfelde wird auch die hiesige Gemeinde in das Versorgungsgebiet der Berliner Gaswerke einbezogen. Obwohl die Stadt Berlin auf eine Rentabilität der Anlage für die nächsten Jahre nicht rechnet, so hat sie dem Antrage auf Gaslieferung doch entsprochen, in der Annahme, daß bei der fortschreitenden Ausdehnung Groß-Berlins sicher auch Blumberg eine günstigere Entwicklung erfahren und in nicht zu ferner Zeit einen angemessenen Gaskonsum haben werde. Der Gaslieferungsvertrag währt 60 Jahre und entspricht im allgemeinen den bisher mit anderen Gemeinden geschlossenen Verträgen. Der Stadt Berlin verbleibt auch über die Vertragsdauer hinaus die Befugnis, Gasdurchführungsrohre im Gemeindegebiet Blumberg zu verlegen. (B. L.-Anz.)


Mittwoch, den 3. August 1910 (Nr. 91), Anzeigen

Marzahn.
Sonntag, den 7. August 1910, nachm. 3 1/2 Uhr: Großes Bauern-Wettreiten -- 8 Rennen --


Sonntag, den 7. August 1910 (Nr. 93, Beilage), Kreis-Nachrichten

Blumberg. Aus der Untersuchungshaft wurden der Monteur Egidius Rybski und der Bauarbeiter Otto Melitz der ersten Ferienstrafkammer des Berliner Landgerichts III vorgeführt, um sich wegen Einbruchsdiebstahls zu verantworten. Am 6. Juni d. Js. drangen die beiden Angeklagten durch ein offen stehendes Fenster in die hiesige Kirche ein. Nachdem sie in der Kirche selbst nichts Wertvolles gefunden hatten, drangen sie in die unter der Kirche gelegene Gruft der Familie von Arnim ein. Die Verbrecher scheuten selbst davor nicht zurück, die Zinksärge zu demolieren. Einem im Jahre 1881 verstorbenen Angehörigen der Familie von Arnim zogen sie von dem Handgerippe einen Trauring ab. Nachdem sie sich dann noch mehrere Orden und Ehrenzeichen, u.a. das Eiserne Kreuz, welches der General von Arnim getragen hatte, angeeignet hatten, verließen sie die Kirche wieder durch das Fenster. Glücklicherweise wurde der Diebstahl bald darauf von dem Ortsgeistlichen bemerkt. Dieser benachrichtigte sofort den hier stationierten Gendarmeriewachtmeister, der schnell entschlossen die Verfolgung der beiden Einbrecher, die das Dorf in Richtung nach Berlin zu verlassen hatten, aufnahm. Es gelang dem Beamten, die Diebe kurz vor Ahrensfelde zu verhaften. Vor Gericht behauptete der Angeklagte Mehlitz plötzlich nach altbekanntem Rezept, geisteskrank zu sein. Das Gericht beschloß deshalb, die Verhandlungen gegen Mehlitz abzutrennen und diesen erst auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Gegen Rybski, der erst kurz vorher aus dem Zuchthause gekommen war, lautete das Urteil mit Rücksicht auf die überaus schändliche Tat auf 5 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht.


Freitag, den 12. August 1910 (Nr. 95), Amtlicher Teil

Bekanntmachung.
Der Weg von Eiche bis an die Chaussee nach Alt-Landsberg wird wegen Chaussierung auf längere Zeit für den öffentlichen Verkehr gesperrt.
Ahrensfelde, den 8. August 1910.
Der Amts-Vorsteher


Freitag, den 12. August 1910 (Nr. 95), Kreis-Nachrichten

Ahrensfelde. Das Große Bauern-Wettreiten findet hierselbst am Sonntag, den 14. d. Mts. statt. Es werden sieben Rennen abgehalten, darunter zwei Trabfahren und zwei offene Rennen. Das Wettreiten beginnt nachmittags 3 1/2 Uhr.


Freitag, den 12. August 1910 (Nr. 95) und 14. August 1910, 2-spaltige Anzeige

Ahrensfelde.
Am Sonntag, den 14. August 1910:
Grosses Bauernwettreiten. 7 Rennen, darunter 2 Trabfahren und 2 offene Rennen.
Anfang 3 1/2 Uhr.


Sonntag, den 21. August 1910 (Nr. 99, 2. Beilage), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Blumberg. (O.-B.) Am Donnerstag, den 25. d. Mts. wird die Brandenburgia, die Gesellschaft für Heimatkunde zu Berlin, einen Nachmittagsausflug hierher unternehmen, um unter Führung des Herrn Pfarrers Blasche die Kirche und den Park zu besichtigen. Unser Ort wird erstmals 1253 genannt: 1375 besaß die Feldmark 100+24 Hufen. Zu dieser Zeit wurde Blumberg als "ein Städtchen" (oppidum) bezeichnet. ...
1695 brach in Blumberg ein großes Feuer aus, das den Krug und 4 Gehöfte, sowie verschiedene Häuser in Asche legte. Soweit das Revisionsprotokoll von 1695. Blumberg ging 1805 aus dem Besitz der Familie von der Schulenburg in den der Familie v. Goldbeck über, von der es 1836 Graf Friedrich Ludwig von Arnim kaufte.


Sonntag, den 28. August 1910 (Nr. 102, 1. Beilage), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Blumberg. (O.-B.) Am Donnerstag, den 25. August besuchten etwa 50 Mitglieder der Gesellschaft Brandenburgia unter Geheimrat Friedels Leitung unsern Ort, um die Kirche, das Herrenhaus und den Park zu besichtigen. Herr Pastor Blasche begrüßte die Gäste in der Kirche und hielt einen interessanten Vortrag über die Geschichte des Gotteshauses und des Dorfes, das 1253 zuerst urkundlich erwähnt wurde. In der zu Spandau ausgeführten Urkunde wird eine Ritter Dietrich von Blumberg als Zeuge aufgeführt. Wahrscheinlich war Blumberg eine alte wendische Ansiedlung; da aber die Feldmark guten Boden besaß, ließen sich hier auch Deutsche nieder. Vielleicht ist es so zu erklären, daß Blumberg zwei Schulzen hatte. Die Kirche stammt in ihrer ersten Anlage etwa aus dem Jahre 1270, also aus der Uebergangszeit vom romanischen zum gotischen Baustil. ...
An die Gruft der 1843 im Alter von 14 Jahren verstorbenen Klara von Arnim knüpft sich eine Sage, die, wie vielleicht noch erinnerlich ist, Veranlassung zu einem abscheulischen Verbrechen gegeben hat. Diese Klara von Arnim war der Liebling ihrer Eltern gewesen, und sie verdiente es auch. Nach ihrem Tode erzählte man, der Vater habe dem geliebten Kinde große Schätze in den Sarg gelegt. Das hörten auch einige Bösewichter und sie faßten nun den Plan, die Leiche zu berauben. Sie unternahmen einen dreisten Einbruch, fanden jedoch nichts, wurden aber noch an demselben Tage dingfest gemacht. - Nach der Kaffeepause wurde der herrliche Park besichtigt, dessen Anlagen um so mehr auf den Beschauer wirken, als sie in der Pflege die feine Grenze zwischen dem Zuviel und Zuwenig innehalten. Das Herrenhaus ist nach einem Stülerschen Plan erbaut. Herr Pastor Blasche erwies sich auch hier als ein guter Führer und bester Kenner Blumbergs, und es ist nur zu bedauern, daß er am 1. Oktober in den Ruhestand treten wird. Freilich hat er sein Anrecht darauf wohl erworben, denn er hat 40 Jahre lang mit Segen in seiner Gemeinde gewirkt.


Mittwoch, den 31. August 1910 (Nr. 103, Amtliche Beilage), gekürzt

Verzeichnis I.
der zum Wahlverband der größeren Grundbesitzer gehörigen Grundbesitzer, Gewerbetreibenden und Bergwerksbesitzer im Kreise Niederbarnim

Abt. A. Grundbesitzer
Nr. 32: Stock, Robert; Rittergutsbesitzer; Wohnort: Treptow, Treptower Chaussee 42
Abt B. Gewerbetreibende
[nichts]

Verzeichnis III.
der zum Wahlverband der Landgemeinden gehörenden Landgemeinden im Kreise Niederbarnim

Lfd. No.  Landgemeinde  Einwohner  Wahlmänner
1. Rosenthal  4738  7
31. Blumberg  972  3
37. Lindenberg  836  3
46. Ahrensfelde  701  2
58. Hönow  559  2
86. Eiche  262  1
101. Mehrow  101  1
102. Bollensdorf  58  1


Sonntag, den 4. September 1910 (Nr. 105, 2. Beilage), Kreis-Nachrichten

Blumberg. (O.-B.) Am Wege nach Werneuchen steht beim Kilometerstein 18,7 gegenüber dem Park des Grafen v. Arnim eine Riesenpappel, die zu den umfangreichsten ihres Geschlechts gehören dürfte. Der der Chaussee zugekehrte, wenig gekrümmte Teil des Stammes mißt 1/3 m, der gesamte Umfang aber 6 m. Der Baum übertrifft also noch erheblich die berühmte Pappel am Kürbiskrug bei Königswusterhausen. In etwa 12 m Höhe löst sich der Stamm der Blumberger Pappel in 3 Aeste auf, deren jeder für sich einen stattlichen Baum abgeben würde. Vor einigen Jahren wurde der Riese vom Blitz getroffen, der zwar nicht spurlos, aber ohne erheblichen Schaden zu verursachen an ihm vorüberging. Die Blitzrinne ist stellenweise 50 cm breit. In ähnlicher Weise wurde auch die große Eiche im herrschaftlichen Park verletzt. Sie gehört zu den schönsten Bäumen des Parks und wird von keinem derselben am Umfange übertroffen. 5 Männer umspannen noch gerade den Stamm. Die breite Blitzrinne befindet sich an der Westseite; ein dürrer nach oben gerichteter Ast bezeichnet die Stelle, wo der Blitz den Baum zuerst berührt hat. Auch im unteren Teil der mächtigen Krone findet sich dürres Geäst, und manche meinen, an ihm habe sich die schädigende Wirkung erst später herausgestellt. Das ist jedoch nicht richtig. Der Baum hat seine Geschichte. Wahrscheinlich schon bei der Anlage des Parkes wurde bei der Eiche eine Rasenbank aufgeworfen und ein Tannengebüsch angepflanzt, das schließlich so hoch und so dicht wurde, daß die Eichenkrone in der Entwicklung beeinträchtigt wurde. Man kannte sogar den Baum nicht mehr, weil er fast ganz verdeckt wurde. Als man ihn schließlich zufällig auffand, wurde er freigelegt. Jetzt bildet er nun die größte Sehenswürdigkeit des an prächtigen Bäumen so reichen Parkes.


Mittwoch, den 7. September 1910 (Nr. 106), Kreis-Nachrichten

Blumberg. (O.-B.) Unser Ort hatte früher einen Kietz; wenigstens kommt der Name noch heute vor. Es ist dies ebenso sonderbar wie das Vorkommen eines Kietzes im benachbarten Werneuchen. Beide Orte haben gewiß ihre großen Vorzüge und viele gute Eigenschaften; aber die Vorbedingungen für die Entstehung von Kietzen fehlen beiden. Der Name soll bekanntlich vom wendischen Kaiza=Fischerhütte abgeleitet worden sein; Fischerhütten setzen jedoch Fischer und diese wiederum Fische voraus. Fische aber wollen schwimmen und zwar nicht nur dann, wenn man sie verzehrt hat, sondern auch so lange sie leben. Wie sie aber das in oder bei Blumberg oder Werneuchen gemacht haben, ist vorläufig noch ein Rätsel. Jedenfalls fand hier eine Fischerbevölkerung früher kaum genügende Beschäftigung. Vielleicht galt also Kietz als allgemeine Bezeichnung für wendische Siedlungen neben deutschen.


Mittwoch, den 7. September 1910 (Nr. 106), Anzeigen

"Warm zu empfehlen ist der Gebrauch von Zucker's Patent-Medizinalseife bei Rauhigkeit u. Schuppungen der Haut, bei leichter Ichthyosis, ganz besond. bei Unreinheiten ders., wenn Mitesser und deren Folgezustände, Pickel. Knötchen, Pusteln usw. das bekannte, unschöne Gesichtsbild hervorrufen."
Das ist das Urteil des Herrn Dr. med. W. in Dresden über Zucker's Patent-Medizinal-Seife, ...


Freitag, den 9. September 1910 (Nr. 107), Anzeigen

Hütet Euch vor jeder Nachahmung der echten Carbol-Teerschwefel-Seife v. Bergmann & Co., Radebeul. Es ist die beste Seife gegen alle Arten Hautunreinigkeiten und Hautausschlägen, wie Mitesser, Finnen, Blütchen, Gesichtspickel, Pusteln ec. ...


Mittwoch, den 5. Oktober 1910 (Nr. 118, Beilage), Kreis-Nachrichten

Blumberg. Am Donnerstag, den 28. September fand im hiesigen Frauenverein für Herrn Pastor Blasche, welcher mit dem 1. Oktober in den Ruhestand getreten ist, eine Abschiedsfeier statt. Der Saal in der Kleinkinderschule war mit Blumen reich geschmückt. Die Frau Gräfin von Arnim wohnte der Feier auch bei. Der Choral "Lobe den Herren" eröffnete den festlichen Akt. Bei der Feier wurden mehrere Deklamationen vorgetragen. Als Zeichen der Dankbarkeit für die langjährige Leitung des Vereins stifteten die Vereinsdamen ein silbernes Tablett, welches dem Herrn Pastor Blasche und seiner Gemahlin durch ein Kind überreicht wurde. In bewegten Worten dankte der Gefeierte allen freundlichen Gebern und ermahnte zu weiterer treuer Arbeit. Mit dem Mendelsohn'schen Komitat "Nun zu guterletzt" endete die schöne Feier. Ein gemeinsames Kaffeetrinken hielt die Teilnehmer noch lange beisammen und wurde im Verlauf desselben noch manches freundliche Wort der Anerkennung dem scheidenden Leiter gewidmet.


Sonntag, den 16. Oktober 1910 (Nr. 123), Amtlicher Teil, gekürzt

Bekanntmachung.
Im Monat September sind folgende Jagdscheine von mir [Landrat] erteilt worden:
...
Nr. 536 ab 3.9: Zimmermann, Max; Jagdverwalter; Blumberg


Mittwoch, den 19. Oktober 1910 (Nr. 124), Amtlicher Teil

Bekanntmachung.
Ueber die Ortschaft Eiche ist wegen Verdachts der Maul- und Klauenseuche die Sperre verhängt.
Ahrensfelde, den 17. Oktober 1910.
Der Amts-Vorsteher, Buchholz.

Bekanntmachung.
Ueber die Gehöfte der Besitzer Gottlieb Giese, Richard Giese, Adolf Lindenberg und Wittwe Bredereck in Eiche ist wegen Verdachts der Maul- und Klauenseuche die Sperre verhängt.
Ahrensfelde, den 17. Oktober 1910.
Der Amts-Vorsteher, Buchholz.


Sonntag, den 23. Oktober 1910 (Nr. 126), Amtlicher Teil, gekürzt

Personal-Chronik.
Bestätigt: ..., Der Arbeiter August Radunzel als Nachtwächter für den Gutsbezirk Hellersdorf.


Mittwoch, den 26. Oktober 1910 (Nr. 127), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Biesdorf. Das Passagierluftschiff P.L. VI. ist am Montag nachmittag 1/2 5 Uhr auf dem Luftwege nach hier gefahren, ... bei einer Windstärke von 10 bis 12 Metern, die mitunter von sehr starken böigen Winden begleitet war. Das Luftschiff ist zum Zwecke der Entleerung des Gases und zur vollständigen Neufüllung hierher gebracht worden ... Für Donnerstag ist die Fernfahrt nach Kiel geplant, wozu noch Anmeldungen für Passagiere entgegengenommen werden.

Blumberg. Dem Pfarrer Gustav Blasche hierselbst ist der Königliche Kronenorden dritter Klasse verliehen worden.


Freitag, den 28. Oktober 1910 (Nr. 128), Amtlicher Teil

Bekanntmachung.
Ein Hund (Bernhardiner) von weiß und gelber Farbe hat sich angefunden. Meldungen im Amtsbureau.
Ahrensfelde, den 25. Oktober 1910.
Der Amts-Vorsteher, Buchholz


Freitag, den 28. Oktober 1910 (Nr. 128), Kreis-Nachrichten, gekürzt

Biesdorf. Das Luftschiff "P VI" trat am Mittwoch nachmittag 4 Uhr 40 Min von hier, wo es neu gefüllt worden war, seine Rückfahrt nach Johannisthal an. In der Gondel hatten 18 Personen Platz genommen. Das Luftschiff landete um 5 Uhr vor seiner Halle in Johannisthal. Am 28. d. M., vormittags 9 Uhr tritt der Luftkreuzer, gutes Wetter vorausgesetzt, seine Reise nach Kiel an, ... In den ersten Tagen des Monats November trifft das Parsevalluftschiff wieder in Berlin ein, und es werden dann die regelmäßigen Passagierfahrten über Berlin und Umgegend fortgesetzt.


Sonntag, den 13. November 1910 (Nr. 135), Amtlicher Teil, gekürzt

Gebührenordnung für die Desinfektion im Amtsbezirk Ahrensfelde.

Für Desinfektionen sind folgende Gebühren zu zahlen
1. a) für jede vorschriftsmäßige Desinfektion,
b) für die Ueberwachung derselben,
c) für die Ausführung der Vernichtung von Gegenständen auf Grund polizeilicher Anordnungen,
d) für die Entnahme von Untersuchungsmaterial und Versendung ...,
e) für die Entnahme und Versendung von Wasserproben ...
2. Bei dienstlichen Verrichtungen außerhalb des Wohnortes und in weiterer Entfernung als 2 km von demselben neben der Gebühr für die Verrichtung:
a) bei Eisenbahnfahrten der Preis einer Fahrkarte III. Klasse,
b) bei Landwagen für jeden angefangenen Kilometer 0,20 M,
3. Für die Hin- und Zurückschaffung zu desinfizierender Gegenstände nach einer Desinfektionsanstalt ..., 4. ...
5. zur Zahlung der vorgenannten Gebühren sind die Haushaltsvorstände verpflichtet; ausgenommen sind diejenigen, deren Einkommen den Betrag von 900 M nicht übersteigt. ...
6. Die Einziehung erfolgt auf Grund einer vom Amtsvorsteher ausgestellten Rechnung ..., 7. ..., 8. ...

Ahrensfelde, den 1. November 1910.
Der Amts-Vorsteher, Buchholz.


Mittwoch, den 23. November 1910 (Nr. 139), Anzeigen, gekürzt

Inventar-Auktion in Marzahn bei Berlin.
Wegen Einstellung des Betriebes meiner Landwirtschaft werde ich am Montag den 28. Novbr. d. Js., von vorm. 10 Uhr ab in Marzahn sämtliches zu meiner Wirtschaft gehöriges Inventar bestehend aus ... meistbietend gegen Barzahlung versteigern.
Marzahn bei Berlin, im November 1910.
Fritz Dubick


Freitag, den 9. Dezember 1910 (Nr. 146), Amtlicher Teil

Bekanntmachung.
Unter den Rindviehbeständen des Rieselgutes Hellersdorf sowie der städt. Anstalt Wuhlgarten ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Ueber beide Orte ist die Gehöftsperre verhängt.
Ahrensfelde, den 7. Dezember 1910.
Der Amts-Vorsteher, Buchholz.


Freitag, den 16. Dezember 1910 (Nr. 149, Beilage), Kreis-Nachrichten

Bekanntmachung.
Ein eigenartiger Unfall ereignete sich dieser Tage abends auf der Chaussee zwischen hier und Ahrensfelde. Der Handelsmann Buckow aus Freudenberg war auf der Fahrt nach Berlin begriffen, als ein von hier kommendes Auto so dicht an seinem Gespann vorbeifuhr, daß das eine Pferd schwer verletzt wurde; ihm ist die Haut vollständig aufgerissen und mußte der hinzugezogene Tierarzt die Wunden zunähen. Es besteht wenig Hoffnung, das Pferd am Leben zu erhalten. Leider konnte die Nummer des davoneilenden Autos nicht festgestellt werden.


Sonntag, den 25. Dezember 1910 (Nr. 153), Amtlicher Teil

Bekanntmachung.
Unter dem Rindviehbestande des Rittergutes Mehrow ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die Orts- sowie die Gehöftsperre ist angeordnet.
Ahrensfelde, den 23. Dezember 1910.
Der Amts-Vorsteher, Buchholz.


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